Seit den 1980er-Jahren gewinnt der feministische Pornofilm allmählich an Anerkennung. In Frankreich, getragen von Regisseurinnen wie Olympe de G, Erika Lust oder Paulita Pappel, stellt diese neue Bewegung Themen wie Konsens, Inklusivität und Vielfalt in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Eine echte Erneuerung für ein Genre, das lange Zeit in Verruf geraten war. Künstlerin und Aktivistin zugleich, verbindet Olympe de G Emotion, Ästhetik und gesellschaftliche Reflexion, um eine persönliche und unbeschwerte Lust zu feiern.
Wer ist Olympe de G?
Hinter dem Pseudonym Olympe de Gê – eine Hommage an Olympe de Gouges, Ikone des revolutionären Feminismus – verbirgt sich Barbara Soumet-Leman, geboren am 9. Juni 1983 in Paris. Diese Autorin, Regisseurin und Podcasterin hat sich als eine der französischen Pionierinnen des alternativen Pornos etabliert.
Eine Feder, die sich über die Jahre geschärft hat
Bevor sie sich im feministischen Porno durchsetzte, machte sich Olympe de G zunächst in der Werbebranche einen Namen. 15 Jahre lang arbeitete sie für große Marken bei renommierten Pariser Agenturen (Publicis Net, Buzzman, La Chose, Viral Factory, BBH, Goodby Silverstein…). Als Texterin und später als Creative Director wechselte sie 2013 zur französischen Niederlassung des berühmten Apfel-Konzerns. Dort verantwortete sie die schriftliche Kommunikation und betreute sämtliche frankophonen Märkte für Apple. Im selben Jahr führte sie Regie beim schwarz-weißen Musikvideo „Nuit 17 à 52“ von Rahim Redcar, damals bekannt als Christine and the Queens – ein ästhetisches und raffiniertes Projekt.
2016 kam es zu einem Bruch in ihrem Schaffen. Genervt von den Klischees des traditionellen Pornos, der sich auf männliche Dominanz und weibliche Unterwerfung konzentriert, begann Olympe, die beschädigte kollektive Vorstellungskraft neu zu definieren. Zunächst arbeitete sie mit Erika Lust, einer Ikone des feministischen Pornos, sowohl als Schauspielerin als auch als Regisseurin. Schnell begann sie, eigene Inhalte zu produzieren – „feministisch UND explizit“, wie sie gerne betont. Ihre Feder schärfte sich dabei an Themen wie Konsens, Erotik und inklusive Darstellungen. Parallel dazu veröffentlichte sie wöchentliche sex-feministische Kolumnen auf Elle.fr und schrieb für das Magazin Uzbek & Rica.
Das Erwachen der Sinne durch die Stimme
Olympe de Gê dehnt ihre Dekonstruktion der Normen auch auf immersive Projekte aus. Voxxx, ein Podcast für Frauen, und Coxxx, für Männer, erforschen die Kraft erotischer Audio-Erzählungen. Beide laden zum lustvollen Alleingang ein. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Voxxx zählt über 25 Millionen Streams!
Diese Geschichten, getragen von sanften und betörenden Stimmen, führen bis zum ekstatischen Höhepunkt. Abonnieren Sie und lassen Sie sich von den Stimmen der zehn kostenlosen Episoden verführen. Und wer noch mehr Lust hat, findet auf jedem Kanal über 200 pikante Geschichten.
Eine Stimme, die über die Erotik hinausgeht
Olympe de G beschäftigt sich auch mit gesellschaftlichen Fragen wie Konsens und zwischenmenschlichen Beziehungen im Gesundheitswesen. 2022 schrieb sie gemeinsam mit Professor Emmanuel Flamand-Roze den Dokumentarpodcast Der Schwur von Augusta, der gynäkologische und geburtsmedizinische Gewalt thematisiert. Dieses Projekt eröffnete einen Dialog zwischen Patient:innen und Ärzt:innen in einer Ära nach #MeToo. Von der Kritik gelobt und mit 4T von Télérama ausgezeichnet, wurde es zudem an der Sorbonne als Wahlfach für Medizinstudierende eingeführt.
Auch in der Literatur ist Olympe aktiv: Sie veröffentlichte mehrere populäre Bücher, darunter Jouir est un sport de combat (2021), Sex Talk und Hold-Up (2023), in denen sie Themen wie Sexualerziehung und Feminismus behandelt.
Olympe’s G-Punkt: Wo Ästhetik und Emotion aufeinandertreffen
Die Filme von Olympe de Gê zeichnen sich durch eine sorgfältige Ästhetik und emotionale Erzählweise aus, die manche als „Pornografie für Frauen“ bezeichnen. In jedem Fall ist sie weit entfernt vom Mainstream-Porno und setzt auf fesselnde Geschichten, in denen Intimität, Emotion und die Vielfalt menschlicher Erfahrungen im Zentrum stehen.
Zu ihren wichtigsten Arbeiten zählt Ein letztes Mal, ein berührender Film, der das Begehren im Alter mit großer Feinfühligkeit thematisiert. Von der Kritik gefeiert, gewann er den Preis für den besten Spielfilm beim Secs Fest, während Olympe beim Dreamachine International Film Festival zur Regisseurin des Jahres gekürt wurde. Eine wahre Ode an das universelle Begehren – ein Film, der daran erinnert, dass Sexualität weder Alter noch Grenzen kennt.
Stets auf der Suche nach inklusiven Darstellungen, widmet sich Olympe auch queeren Geschichten, Erzählungen von People of Color und sexuellen Praktiken, die noch am Rand der Gesellschaft stehen. Jede ihrer Arbeiten lädt dazu ein, unsere Beziehung zur Sexualität neu zu denken – befreit von normativen Zwängen.

Filmografie und Audiografie: Olympe de G’s Universum
Kurzfilme
- 2016 : The Bitchhiker
- 2017 : Don’t Call Me a Dick (prämiert beim CineKink und Peephole Festival), Take Me Through the Looking Glass und We are the Fucking World (ausgezeichnet beim Toronto International Porn Film Festival)
Erster Spielfilm
- 2020 : Une dernière fois avec Brigitte Lahaie
Als Performerin
- 2016 : Un beau dimanche et The Bitchhiker
- 2017 : Architecture Porn
Audiografie
- 2018: L’Appli rose und Chambre 206 – zwei erotische Hörspiele, verfügbar auf Audible.
- 2018: Le Son du sexe – ein Audio-Dokumentarfilm für Rinse FM.
- 2018: Voxxx – ein Audioformat, das die Fantasie und intime Verbindung durch erogene Klänge und lustvolle Erzählungen anregen soll.
- 2022: Der Schwur von Augusta – eine Dokumentarserie über gynäkologische und geburtsmedizinische Gewalt.
- 2022: Du wirst ein Mann sein, meine Tochter – ein mutiger Podcast, der Geschlechternormen und Stereotype hinterfragt.
Mit ihren Filmen, Podcasts und Schriften verkörpert Olympe de Gê eine Erneuerung in der Art und Weise, wie Sexualität verstanden und erzählt wird. Ihre innovative und zutiefst menschliche Vision lädt dazu ein, Lust zu empfinden, indem man sich von Tabus und Normen befreit. Ein Weg zur Emanzipation!









